Häufig gestellte Fragen

Über GRASP

Was ist GRASP?

GRASP ist ein freiwilliges Zusatzmodul für die Evaluierung der gesellschaftlichen Praxis in Landwirtschaftsbetrieben. Der Anforderungskatalog beinhaltet 11 Standardanforderungen und eine zusätzliche Anforderung ans QMS, die sich alle auf die spezifischen Aspekte der Gesundheit, der Sicherheit und dem Wohlergehen von Arbeitnehmern beziehen. GRASP ist eine Ergänzung zum GLOBALG.A.P. Zertifikat.

Registrierung für GRASP: Muss ich mich für GRASP registrieren – ist es ein Pflichtmodul?

GRASP ist kein Pflichtmodul der akkreditierten GLOBALG.A.P. Zertifizierung. Die Aquakulturzertifizierung unter Version 5 des GLOBALG.A.P. Standards bildet die Ausnahme, hier ist GRASP ein Muss-Kriterium. Für andere Bereiche gilt: GRASP ist ein freiwilliges Zusatzmodul – nichtdestotrotz können Händler, Lieferanten GRASP als ihre Pflichtanforderung definieren.

Registrierung für GRASP: Ich habe ein Zertifikat von einem gleichwertig anerkannten Standardprogramm (Option 3, Option 4), kann ich mich für GRASP registrieren?

Ja, GRASP kann auch mit anderen, gleichwertig anerkannten Standards kombiniert werden (equivalent scheme/AMCs).

Registrierung für GRASP: Ich bin für ein localg.a.p. Programm registriert – kann ich mich für GRASP registrieren?

GRASP ergänzt das Kapitel Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Soziale Belange des GLOBALG.A.P. Standards für Primärproduktion. Für die Kombinationsmöglichkeit mit localg.a.p. Programmen bedeutet dies, dass sofern localg.a.p. dieses Kapitel enthält, GRASP Evaluierungen hinzugefügt werden können. Entscheidend ist, was die Regeln des localg.a.p. Programms vorgeben bzw. erlauben.

Registrierung für GRASP: Wir beschäftigen mehrere (engste)Familienmitglieder. Sind die GRASP Kontrollpunkte anwendbar?
  • Ja, sofern rechtsgültige Verträge mit diesen Familienmitgliedern existieren. Diese Verträge müssen ebenfalls evaluiert werden und sie müssen die GRASP Anforderungen erfüllen.
  • Nein, wenn nur engste Familienmitglieder beschäftigt sind.
Registrierung für GRASP: Wie registrieren wir Teilzeitbesschäftigte oder saisonale Arbeitskräfte?

Für GRASP muss jede/r Arbeitnehmer/In registriert werden, d.h. jede Person zählt als eine – ob saisonal, festangestellt, als Unterauftragnehmer/In, in Teilzeit oder Vollzeit. Wenn der Arbeitnehmer/In mehrere Kurzverträge erhält, er/sie zählt als eine/r. Die Erzeuger, d.h. die Arbeitgeber müssen die Zahl von Arbeitskräften mitteilen, die bis zum Datum der GRASP-Evaluierung unter Vertrag genommen wurden.

Registrierung für GRASP: Wie ist es mit Arbeitnehmern/Innen aus dem Ausland bzw. der EU?

In der GRASP-Checkliste muss die Herkunft der Arbeitnehmer/Innen eingetragen werden – allerdings nicht unterschieden nach EU bzw. Nicht-EU-Bürgern. Der Grund ist, dass GRASP – also auch die Checkliste – auch außerhalb der EU anwendbar ist, so entschied sich das GRASP-Komitee für die Unterscheidung nach nationalen Grenzen.

Das bedeutet z. B., dass ArbeitnehmerInnen in Italien, die im Süden leben, aber im Norden arbeiten, als nationale Migranten gelten, ausländische ArbeitnehmerInnen sind die, die für Arbeitszwecke nationale Grenzen übertreten, so polnische ArbeitnehmerInnen in Deutschland oder Italien, auch ArbeitnehmerInnen aus Afrika in allen europäischen Ländern.

Der Evaluierungsprozess: Mein GLOBALG.A.P. Zertifikat ist noch einige Monate gültig. Jetzt möchte ich mich für GRASP registrieren. Für welchen Zeitraum plant die Kontrollstelle die GRASP Evaluierung?

In den meisten Fällen hängt das Evaluierungsdatum davon ab, bis wann der GRASP-Bericht verfügbar sein muss. GRASP kann im Laufe des Jahres zu jedem Zeitpunkt geprüft werden – idealerweise wird es zusammen mit den GLOBALG.A.P. Anforderungen geprüft  (enstprechend dem “one-stop-shop Konzept”) , nämlich während der Ernte, wenn die Arbeitnehmervertretung auch vor Ort ist und zur Verfügung steht.

Der Evaluierungsprozess: Ist die Eigenkontrolle Pflicht?

Die Eigenkontrolle ist für einzelne Erzeuger (sowohl für Einzelerzeuger in Option 1 als auch für Gruppenmitglieder in Option 2) keine Andorderung. In Option 2 Gruppen ist die interne Kontrolle Pflicht – durchgeführt für alle Gruppenmitglieder vom internen Kontrolleur. Diese interne Kontrolle ist jedoch nicht gleichzusetzen mit der Eigenkontrolle.

Der Evaluierungsprozess: Ich bin als Option 1 Erzeuger registriert, allerdings ist das ein Betrieb mit mehreren Standorten und einem QMS. Welche Checkliste soll dann genutzt werden – die Option 1 Checkliste für Einzelerzeuger oder die Option 2 für Erzeugergruppen?

In diesem Fall muss die Option 2 Checkliste genutzt werden. Bei der Evaluierung wird die Quadratwurzel der Standorte gezogen und diese werden evaluiert. In der Checkliste werden diese Standorte wie „Mitglieder“ registriert – analog zu der Gruppenevaluierung, und das QMS wird geprüft.

Der Evaluierungsprozess: Wie gehen wir vor, wenn von mehreren angebauten Produkten lediglich wenige für GRASP registriert wurden?

Wenn ein Erzeuger nur ein Teil seiner Produktion für GLOBALG.A.P. und GRASP anmeldet, z. B. nur 1-2 Produkte, dann kann GRASP nur bezogen auf die Produktion evaluiert werden. Es ist wahrscheinlich, dass ein bestimmter Teil der Beschäftigten sowohl mit den zertifizierten als auch mit den nicht-zertifizierten Produkten arbeitet; In den Fällen werden die Dokumente derjenigen Beschäftigten geprüft.

Der Evaluierungsprozess: Prüfen die GRASP-Kontrolleure die Dokumente und Aufzeichnungen aller Beschäftigten?

Dies ist nicht möglich umzusetzen: Gruppen können mehrere Hundert ArbeitnehmerInnen beschäftigen. Es ist erlaubt, stichprobenartig zu prüfen, d. h. die Quadratwurzel von der Zahl der ArbeitnehmerInnen zu nehmen und ihre Dokumente und Aufzeichnungen zu evaluieren – wobei die unterschiedliche Anstellungsformen anteilig berücksichtigt werden.

Der Evaluierungsprozess: Wir sind eine Erzeugergruppe mit eigener Produktion, die auch unter dem GLOBALG.A.P. Zertifikat erfasst wird. Können wir für GRASP nur die Standorte mit Arbeitnehmern anmelden, an denen eine gruppeneigene Produktion stattfindet?
  • Wenn die Erzeugergruppe dasselbe/dieselben Produkt/e anbaut wie die Gruppenmitglieder: Die GRASP Evaluierungen finden Anwendung bei Erzeugern eines Produktes, das für diese Erzeuger (auch für die Gruppe) registriert und in der Datenbank angezeigt werden kann. Da jedoch die eigene Produktion der Gruppe in diesem Fall in der Datenbank nicht angezeigt werden kann, sind auch die GRASP-Berichte nicht sichtbar (d. h. konkret: Evaluierung möglich, aber ohne angezeigten Bericht). Bitte wenden Sie sich an das GLOBALG.A.P. Sekretariat, um den GRASP-Bericht bzw. dass dieser nicht angezeigt werden kann, bestätigen zu lassen.
  • Wenn die Erzeugergruppe andere Produkte als die der Gruppenmitglieder anbaut, kann die Gruppe für GRASP als Option 1 registriert und evaluiert werden. Alle Arbeitnehmer der Gruppe sind dann in dem GRASP-Bericht erfasst, welcher in der Datenbank auch angezeigt wird. Dafür muss in der Version 1.3 die Option 1 Checkliste genutzt werden.
Der Evaluierungsprozess: Müssen in Option 2 alle Gruppenmitglieder unter dem GLOBALG.A.P.-Zertifikat für GRASP registriert werden?

In der GRASP 1.3-Version ist es keine Anforderung mehr, alle Gruppenmitglieder auch in GRASP aufzunehmen – auch nicht in 3 Jahren. Grundsätzlich kann eine Gruppe mit wenigen Gruppenmitgliedern an GRASP teilnehmen – es sei denn ihre Abnehmer haben höhere Anforderungen.

Der Evaluierungsprozess: Die Produkthandhabung unserer Produkte wurde für das GLOBALG.A.P. Zertifikat mitgeprüft. Können wir für die GRASP Evaluierung ausschließlich unsere Produkthandhabungsstandorte registrieren?

Es ist nicht möglich, den Anbau/Produktionsprozess von der GRASP Evaluierung auszuschließen, da das GRASP Modul auf das GLOBALG.A.P. Zertifikat für Primärproduktion aufbaut, die zertifiziert wurde.

Der Evaluierungsprozess: Wie evaluieren wir Produkthandhabungsstandorte, die ausgegliedert sind?

Punkt  3.4 der GRASP Allgemeinen Regeln definiert, dass jede Aktivität aller Mitglieder und Erzeuger, die unter die GLOBALG.A.P.-Zertifizierung fällt, in GRASP evaluiert werden muss. Folglich, wenn Produkthandhabung eingeschlossen ist, müssen auch all die Standorte evaluiert werden – auch wenn sie nicht direkt bzw. vom Zertifikatsinhaber betrieben werden. Um die Erfüllung der GRASP-Kriterien prüfen zu können, kann der GRASP-Kontrolleur die anderen Standorte überprüfen oder Erzeuger und Unterauftragnehmer/Servicepartner können eine Vereinbarung oder einen Vertrag abschließen, woraus hervorgeht, dass

  • der Unterauftragnehmer/Servicepartner die GRASP-Anforderungen kennt (der Erzeuger hat ihn z. B. informiert oder trainiert)
  • der Unterauftragnehmer/Servicepartner die GRASP-Anforderungen erfüllt 

Im Verdachts- bzw. Zweifelsfall darf die GLOBALG.A.P.-Kontrollstelle die Standorte/das Büro des Unterauftragnehmers/Servicepartners besichtigen, um Stichprobenkontrollen oder Interviews durchzuführen.

Der Evaluierungsprozess: Wie geht die Kontrollstelle vor, wenn die Anzahl der Gruppenmitglieder und/oder die der Produktionsstandorte steigt?

Wenn sich innerhalb der 12 Monate Gültigkeitszeitraum weitere Gruppenmitglieder für GRASP registrieren, ist Folgendes anzuwenden: Wenn die Anzahl der neuen Gruppenmitglieder/Standorte für GRASP >10% der bereits für GRASP registrierten Gruppenmitglieder/Standorte ausmacht und/oder es gibt mindestens einen weiteren Arbeitnehmer, der von diesen neuen Mitgliedern/an diesen Standorten beschäftigt wird, dann muss GRASP bei diesen Erzeugern geprüft werden, bei Option 2 muss das QMS zusätzlich geprüft werden.

Der Evaluierungsprozess: Können wir die GRASP Evaluierung aufteilen, d. h. als Erstes das QMS prüfen und/oder die Produkthandhabungsstandorte, und dann zum späteren Zeitpunkt die Gruppenmitglieder? Gibt es eine Vorgabe für die Höchstzahl von Evaluierungstagen?

Eine aufgeteilte GRASP Evaluierung bedeutet für den Erzeuger Mehrkosten, welche vermieden werden sollten. Für die Planung muss bedacht werden, dass die Arbeitnehmer während der GRASP Evaluierung nicht vor Ort/anwesend sein müssen, aber die Arbeitnehmervertretung, die für GRASP verantwortliche Person und die Betriebsleitung. Sollte die Evaluierung doch nur auf mehrere Tage aufgeteilt erfolgen können, muss sie beendet sein bevor das GLOBALG.A.P. Zertifikat erneuert wird.

Der Evaluierungsprozess: Wie muss ein Option 1 Betrieb mit mehreren Standorten evaluiert und der GRASP Bericht erstellt werden?

GRASP muss an jedem Standort umgesetzt werden – inklusive des (zentralen) Produkthandhabungsstandortes. So muss jeder Standort evaluiert werden. Die Arbeitnehmervertretung jedes Standortes muss befragt werden. Für den GRASP Bericht sollte für jeden Standort eine Checkliste ausgefüllt werden, die Anmerkungen/Kommentare müsse standortspezifisch sein und der Gesamtbericht muss die Ergebnisse und die Kommentare kombiniert enthalten (keine Zusammenfassung).

Der Evaluierungsprozess: Wie müssen die Ergebnisse der Gruppenevaluierung erfasst werden?

Die Option 2 Evaluierung kann der GRASP-Kontrolleur entweder mit der Option 1 Checkliste für jeden Gruppenmitglied oder mit der Option 2 Checkliste durchführen – in Papierform oder direkt in der Excel-Datei in elektronischer Form. Die Kontrollstelle kann intern für die eine oder die andere Weise entscheiden, wichtig ist die zusammengefasste Option 2 Checkliste für die Gruppe in der Datenbank hochzuladen und jede weitere Dokumentation muss klar zeigen, wie der GRASP-Kontrolleur zu den jew. Ergebnissen kam.

Evaluierungskosten: Wie viel kostet die GRASP Evaluierung?

Die Kosten setzen sich zusammen aus 2 Teilen:

1. Die evaluierende Zertifizierungsstelle stellt ihre eigenen Kosten in Rechnung – die Arbeitsstunden/-tage und die Kosten des Prüfers. Dazu kann die zuständige Zertifizierungsstelle genaue Angaben machen.

2. GLOBALG.A.P. stellt die GRASP assessment Lizenzgebühr in Rechnung für Einzelerzeuger und Erzeugergruppen – siehe unten:

Gebühr

Berechnet für

Jährlich

Option 1

GRASP Assessment Lizenzgebühr

GRASP Evaluierung von Einzelerzeugern

 

25 €

Option 2

GRASP Assessment Lizenzgebühr (Basis)

GRASP Evaluierung von Erzeugergruppen

130 €

Option 2

GRASP Assessment Lizenzgebühr (zusätzlich Gebühr pro Erzeuger)

Jedes Gruppenmitglied von GRASP evaluierten Erzeugergruppen

1 €

Nationale Interpretationsrichtlinien: Wozu brauchen wir Nationale Interpretationsrichtlinien?

Die Arbeitsgesetze sind von Land zu Land unterschiedlich. Die GRASP Nationalen Interpretationsrichtlinien spezifizieren die anzuwendenden gesetzlichen Anforderungen – wie z. B. den Mindestlohn, Arbeitszeiten, Mindestalter etc.

Nationale Interpretationsrichtlinien: In meinem Land gibt es keine Nationale Interpretationsrichtlinie. Wie kann ich mich trotzdem für GRASP registrieren?

In diesen Fällen gelten für Kontrollstellen die Zusatzanforderungen der GRASP Allgemeine Regeln Version 1.3. Die Kontrollstelle muss die GRASP Evaluierung in dem Land beantragen und die Zusatzanforderungen erfüllen. Ist dies geschehen, kann GRASP in dem Land von der Kontrollstelle evaluiert werden.

Einsicht in die GRASP Berichte: Ich bin GRASP evaluiert – wie können meine Abnehmer/Händler in der GLOBALG.A.P. Datenbank den GRASP Bericht einsehen?

Die GRASP Evaluierungsberichte sind in der öffentlichen Suche in der Datenbank nicht sichtbar. Nur die Unternehmen haben Zugriff darauf, deren Mitarbeiter einen  GLOBALG.A.P. Datenbankzugang haben (mit der Favoritenfunktion) und die zusätzlich die GRASP Rahmenvereinbarung für die korrekte Datennutzung unterzeichnet haben. Diese Unternehmen mit ihren Mitarbeitern sind die sogenannten GRASP Teilnehmer.

Kontrollpunkt 1 Arbeitnehmervertretung: Muss der Betrieb (immer) eine Arbeitnehmervertretung haben?

Ja, wenn der Betrieb mehr als 5 Arbeitnehmer beschäftigt, muss eine Arbeitnehmervertretung vorhanden sein. Informieren Sie Ihre Arbeitnehmer über ihr Recht, eine Arbeitnehmervertretung/einen Betriebsrat zu haben. Bei mehreren Arbeitnehmervertretern muss die Anzahl der der Arbeitnehmer entsprechen – im Verhältnis (d. h. z. B. eine Vertretung für 50 Angestellte) und sie muss repräsentativ sein (d. h. z. B. auch ausländische Arbeitnehmer müssen vertreten sein).

Kontrollpunkt 1 Arbeitnehmervertretung: Kann dieser Kontrollpunkt als “nicht anwendbar” markiert werden?

Ja, wenn im Betrieb nur engste Familienmitglieder arbeiten. Engste Familienmitglieder sind in direkter Linie mit dem Erzeuger verwandt und leben im selben Haushalt wie der Erzeuger (dies gilt nicht für angestellte Betriebsleiter). Dies kann Eltern, Ehepartner, Geschwister und Kinder mit einschließen, nicht jedoch Onkel/Tanten, Cousins oder andere Verwandte.

Kontrollpunkt 1 Arbeitnehmervertretung: Können Arbeitnehmervertreter zur Betriebsleitung gehören, z. B. in kleineren Betrieben?

Nein, Arbeitnehmervertreter haben die Vermittler- bzw. Mediatorrolle zwischen den Arbeitnehmern und der Betriebsleitung, damit Beschwerden das Management auf einfachem Weg erreichen. Eine Person von der Betriebsleitung kann diese Rolle nicht übernehmen. Nichtsdestotrotz die für die Umsetzung von GRASP verantwortliche Person kann Arbeitnehmervertreter sein. Die Arbeitnehmervertreter kontrollieren, dass Vereinbarungen zwischen ihnen und der Betriebsleitung, auch verwirklicht werden.

Kontrollpunkt 1 Arbeitnehmervertretung: Kann die Arbeitnehmervertretung auch nominiert (statt gewählt) werden?

Ja, wenn sich z. B. die Zusammensetzung der Belegschaft regelmäßig/fortlaufend ändert oder wenn jegliche andere Ausnahmesituation die Nominierung rechtfertigt. Stellen Sie sicher, dass die Arbeitnehmer über den/die Vertreter informiert sind, dass die Nominierung dokumentiert und begründet ist.

Kontrollpunkt 1 Arbeitnehmervertretung: Was sind die Aufgaben der Arbeitnehmervertreter?

Die Arbeitnehmervertreter müssen die erreichbare Kontaktperson für die Arbeitnehmer sein, die die Betriebsleitung auf konkstruktiver Art ansprechen können. Um die Rechte der Arbeitnehmer verstehen und ihnen diese Rechte vermitteln zu können, müssen die Arbeitnehmervertreter die relevante(n) Nationalen Interpretationsrichtlinie(n) verstehen. Jeglicher Interessenskonflikt für die Arbeitnehmervertreter muss – soweit möglich – vermieden werden. Einige Nationale Interpretationsrichtlinien spezifizieren den Schutz der Arbeitnehmervertreter, damit diese ihre Arbeit in dieser Rolle frei ausüben können. Stellen Sie sicher, dass den Arbeitnehmervertretern genug Zeit dafür zur Verfügung steht. Ihre Aufgaben können kurz in einer Aufgabenbeschreibung schriftlich niedergelegt werden.

Kontrollpunkt 2 Beschwerdeverfahren: Wir sind ein kleiner Betrieb, ganzjährig haben wir nur wenige Angestellte. Müssen wir trotzdem ein Beschwerdeverfahren implementieren?

Ja; Jedoch die Implementierung eines solchen Verfahrens bedeutet nicht die Umsetzung eines komplexen Systems. Wenn der Arbeitgeber und die Arbeitnehmer sich regelmäßig sehen und auch Besprechungen stattfinden, ist es ausreichend zu dokumentieren, wie, in welcher Form und bei wem die Arbeitnehmer (z. B. in diesen Besprechungen) Beschwerden einreichen können.

Kontrollpunkt 2 Beschwerdeverfahren: Wie kann so ein Beschwerdeverfahren aussehen?

Überlegen Sie sich ein der Betriebsgröße und der Betriebsform angemessenes Beschwerdeverfahren. Z. B. sind in einigen Kulturkreisen Arbeitnehmer nicht gewohnt, schriftlich Beschwerden einzureichen. Solche und ähnliche Faktoren müssen dabei in Betracht gezogen werden.

    • Wenn Sie einen Betrieb mit nur wenigen Angestellten leiten, wird die Arbeitnehmervertretung nur zu bestimmten Zeiten in der Woche für Gespräche zur Verfügung stehen. Die Arbeitnehmer müssen informiert sein, wann sie wen ansprechen können.
    • Wenn Sie einen Betrieb mit mehreren Angestellten leiten, können Sie auch einen Beschwerdekasten für anonyme Beschwerden aufhängen. Stellen Sie sicher, dass dieser Kasten regelmäßig geleert wird (z.B. alle 2 Wochen) und kümmern Sie sich um die Erledigung dieser Beschwerden. Oder Sie organisieren Sprechzeiten dafür, wo die Arbeitnehmervertretung und/oder die Verantworliche für die Umsetzung von GRASP anwesend sind.
    • Bei Option 2 Erzeugergruppen kann das Beschwerdeverfahren auch über das QMS der Gruppe verwaltet werden.
Kontrollpunkt 2 Beschwerdeverfahren: Müssen wir alles dokumentieren?

Grundsätzlich ja, alles was für die Arbeitnehmer die Entscheidungen nachvollziehbar macht. Stellen Sie sicher, dass alle Arbeitnehmer (auch die mit befristeten Verträgen) wissen, wo/wie und wann sie Beschwerden einreichen können. Außerdem ist es wesentlich darzustellen, in welchem Zeitrahmen die Lösungen erfolgen werden, z. B. innerhalb von 2 Wochen. Zeigen Sie den Arbeitnehmern durch Nachkontrollen und Rückmeldungen zu Verbesserungen, dass Beschwerden und Vorschläge ernst genommen wurden und dass Verbesserungen erreicht wurden.

Kontrollpunkt 3 Selbst-Deklaration zur guten Sozialpraxis: Arbeitsgesetze eines Landes sind strenge Vorgaben, deren Einhaltung ebenfalls streng überwacht wird. Müssen wir trotzdem eine solche unterschriebene Deklaration vorweisen?

Ja, dieser Kontrollpunkt ist auch eine Anforderung, das durch dieses Dokument – unterschrieben von der Arbeitnehmervertretung und vom Betriebsleiter – erfüllt werden kann. Alle Arbeitnehmer müssen über dieses Dokument und dessen Inhalt informiert werden.

Kontrollpunkt 3 Selbst-Deklaration zur guten Sozialpraxis: Worum geht es in dieser Deklaration?

Diese Selbst-Deklaration soll sicherstellen, dass die Betriebsleitung die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) befolgt und dass in der Praxis der Anstellung von Arbeitnehmern transparent und nicht-diskriminierend erfolgt.

Die Selbst-Deklaration muss mindestens die unten aufgeführten Übereinkommen zur guten Sozialpraxis und zu den Menschenrechten der Arbeitnehmer enthalten, die wiederum die folgenen ILO Kernarbeitsnormen abdecken. Diese Übereinkommen sollen einfach formuliert sein, damit alle Arbeitnehmer sie verstehen können:

    • Nr. 111 zu Diskriminierung
    • Nr. 138 und 182 Mindestalter und Verbot von Kinderarbeit
    • Nr. 29 und 105 zu Zwangsarbeit
    • Nr. 87 zu Vereinigungsfreiheit
    • Nr. 98 für das Recht zu Kollektivverhandlungen
    • Nr. 100 zu Gleichheit des Entgelts
    • Nr. 99 zu Mindestlöhne

In der Selbst-Deklaration stellt der Arbeitgeber (die Betriebsleitung) sicher, dass jede Art von Verletzung dieser Normen durch das Managementsystem des Betriebs ohne Verzögerung aufgenommen und der zuständigen Kontrollstelle gemeldet wird.

Kontrollpunkt 3 Selbst-Deklaration zur guten Sozialpraxis: Wie soll diese Selbst-Deklaration entworfen werden?
  • Prüfen Sie zu Beginn, ob die Selbst-Deklaration vollständig ist, d. h. ob sie alle ILO Normen (aus dem Kontrollpunkt) enthält.
  • Prüfen Sie, ob in Ihrem Betrieb eventuell weitere Punkte relevant sein könnten und passen Sie die Deklaration dementsprechend an.
  • Erklären Sie Ihren Arbeitnehmern den Inhalt und das Ziel dieser Selbst-Deklaration, sowie unklare Begriffe. Prüfen Sie, ob alle im Betrieb die Erfüllung dieser Normen gleich bewerten.
  • Unterschreiben Sie und die Arbeitnehmervertretung diese Selbst-Deklaration.
  • Stellen Sie sicher, dass alle Arbeitnehmer über diese Selbst-Deklaration informiert sind: Sie können das Dokument als Anhang zum Arbeitsvertrag aushändigen, im Betrieb aushängen oder in Besprechungen zeigen/vorstellen.
  • Prüfen Sie regelmäßig, ob die Selbst-Deklaration aktualisiert werden muss. Sie muss mindestens alle 3 Jahre überprüft werden, aber in jedem Fall, wenn neue Gesetzesregelungen oder Tarifverhandlungen in Kraft treten.
Kontrollpunkt 4 Zugang zu den nationalen Arbeitsvorschriften: Ist es wichtig, in jedem Fall/an jedem Produktionsstandort die nationalen Arbeitsvorschriften zur Hand zu haben?

Nein: Es ist nicht immer möglich, alle aktuellen, gültigen Dokumente am Produktionsstandort bereit zu stellen. Die Arbeitnehmervertreter müssen mindestens Zugang zu den nationalen Arbeitsvorschriften haben. Eine Alternative ist die GRASP Nationale Interpretationsrichtline (in Kopie) zur Verfügung zu haben mit all den Anhängen und Referenzen zu den nationalen Arbeitsvorschriften. Bei Änderungen müssen allerdings sowohl die Arbeitnehmervertreter als auch die Arbeitnehmer informiert werden. Eine entsprechende Prozedur muss das ebenfalls sicherstellen.

Kontrollpunkt 5 Arbeitsverträge: In einem Land gibt es keine schriftlichen Verträge, Arbeitnehmer werden in einem Zentralregister (online) erfasst. Wie können wir diese Anforderung erfüllen?

Nationale Interpretationsrichtlinien können bei der Umsetzung und Evaluierung dieses Kontrollpunktes unterstützen. In vielen Fällen erklären die Richtlinien die Lage im Land und begründen eine Ausnahme. Diese Richtlinien bzw. die Checklistenkommentare müssen alle Daten und Information aufführen, die registriert werden und wo sie registriert werden (z. B. Hyperlink).

Kontrollpunkt 5 Arbeitsverträge: Der Arbeitsvertrag ist nur von einer Seite unterschrieben (Arbeitgeber oder –nehmer). Gilt der Kontrollpunkt trotzdem erfüllt?

Nein, den Vertrag müssen beide Parteien unterschreiben – sowohl der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer (Fingerabdruck ist auch gültig).

Kontrollpunkt 5 Arbeitsverträge: Unser Betrieb beschäftigt nur saisonale Arbeitskräfte, daher gibt es keine komplexen Arbeitsverträge für jeden Einzelnen. Wie können wir diesen Kontrollpunkt trotzdem erfüllen?

Der Arbeitsvertrag muss kein aufwendig gestaltetes Dokument sein. Er muss die Mindestangaben enthalten wie sie im Kontrollpunkt enthalten sind. Diese können in einer Tabelle aufgeführt werden mit den Namen aller Arbeitnehmer.

Die Mindestangaben sind:

    • Der vollständige Name des Arbeitnehmers und die Nationalität
    • Geburstdatum
    • Vertragslaufzeit
    • Einstellungsdatum
    • Stellenbeschreibung
    • Arbeitszeiten und Pausen
    • Lohn (Gehalt)

Für ausländische Arbeitnehmer: Ihr rechtlicher Status und ihre Arbeitserlaubnis

Kontrollpunkt 6 Lohnzettel und Kontrollpunkt 7 Löhne: Jeder Nachweis einer Lohnzahlung wird von den zuständigen Behörden kontrolliert. Müssen wir trotzdem die in diesem Kontrollpunkt geforderten Dokumente vorzeigen?

Ja: Die Nationalen Interpretationsrichtlinien können Unsetzungsbeispiele oder Alternativen beschreiben für die Erfüllung dieses Kontrollpunktes.

Kontrollpunkt 6 Lohnzettel und Kontrollpunkt 7 Löhne: Wie können wir ein Erfassungssystem implementieren, damit wir diese Anforderungen erfüllen können?
  • Stellen Sie sicher, dass die Auszahlungen an alle Arbeitnehmer regelmäßig dokumentiert werden (Lohnzettel, Lohnregister). Auf den Lohnzetteln/im Register stehen dann alle Informationen über Lohn, geleistete Arbeitszeit, Überstunden und der ausgezahlte Betrag.
  • Lassen Sie die Arbeitnehmer diese Lohnzettel bei jeder Auszahlung unterschreiben oder einen Fingerabdruck machen, unterschreiben auch Sie. Als Alternative können Sie regelmäßig die jeweilige Lohnabrechnung aushändigen.
  • Bewahren Sie diese Nachweise/Kopien für mindestens 24 Monate auf.
  • In Betrieben mit nur wenigen Arbeitnehmern können Sie auch eine Liste mit allen Arbeitnehmern führen, in der die monatlichen Auszahlungen und dazu die Unterschriften dokumentiert werden.
  • Stellen Sie sicher, dass die Arbeitnehmer den Mindestlohn erhalten. Abzüge, wodurch der Mindestlohn nicht ausgezahlt wird, müssen erklärt werden.
  • Wenn Akkordlohn vereinbart wurde, müssen die Arbeitnehmer auch in diesem Fall auf die reguläre Arbeitszeit umgerechnet den Mindestlohn erhalten.
Kontrollpunkt 8 Keine Anstellung Minderjähriger & Kontrollpunkt 9 Zugang zu Pflichtschulausbildung: Die Gesetzgebung in meinem Land gibt kein Mindestalter für die Beschäftigung vor. Kann ich dann Arbeitnehmer in jedem Alter beschäftigen?

Nein: Die GRASP-Anforderung ist, wenn die nationale Gesetzgebung keine Angaben dazu macht, Kinder unter 15 Jahren dürfen nicht beschäftigt werden. Kinder und Jugendliche dürfen keinesfalls ermutigt werden, die Schule im schulplfichtigen Alter zu verlassen.

Kontrollpunkt 8 Keine Anstellung Minderjähriger & Kontrollpunkt 9 Zugang zu Pflichtschulausbildung: Wie können wir/der Betrieb sicherstellen, dass die Arbeitnehmer ihr Alter nachweisen?

Bevor der Arbeitsvertrag unterschrieben wird, fragen Sie sie nach ihrem Ausweis oder einem anderen Dokument zur Identifikation (z. B. Geburtsurkunde, Führerschein).

Kontrollpunkt 8 Keine Anstellung Minderjähriger & Kontrollpunkt 9 Zugang zu Pflichtschulausbildung: Was tun wir/der Betrieb, wenn Kinder (der Arbeitnehmer) auf dem Produktionsstandort leben?
  • Es ist die Pflicht des Arbeitgebers sicherzustellen, dass die Kinder der Arbeitnehmer, die auf dem Produktionsstandort leben, Zugang zur Pflichtschulausbildung haben. Prüfen Sie, wie viele Kinder dort leben und ob sie im schulpflichtigen Alter sind.
  • Wenn die Schule weiter entfernt liegt als fußläufig 30 Minuten ,  organisieren Sie die Beförderung (z. B. mit Bus, Fahrrad, auf Esel usw.). In vielen Fällen ist es eine einfachere Lösung, am Betriebsstandort (vor Ort) die schulische Bildung zu organisieren. Sie können Lehrer einstellen und die Schule vor Ort entsprechend der nationalen Gesetzgebung organisieren.
Kontrollpunkt 10 Zeiterfassungssystem & Kontrollpunkt 11 Arbeitszeiten und Pausen: Wir sind ein kleiner Betrieb – müssen wir ein elektronisches Zeiterfassungssystem implementieren?

Nein: Wählen Sie ein System ihrer Betriebsgröße und der Anzahl der Arbeitnehmer entsprechend aus. Sie können die Anforderung auch erfüllen, wenn Sie im Betrieb täglich Erfassungsbögen ausfüllen. Wichtig ist dabei, dass die Arbeitnehmer diese auch regelmäßig gegenzeichnen, z. B. am Ende jeden Monats. Solche Erfassungsbögen können sehr gut mit den Lohnnachweisen oder anderen geforderten Dokumentationen kombiniert werden.

Stechuhren oder elektronische Karten passen in anderen Betrieben mit mehreren Arbeitnehmern. Das Zeiterfassungssystem soll als Mittel für Transparenz bzgl. Arbeitszeiten und Pausen dienen.

Kontrollpunkt 10 Zeiterfassungssystem & Kontrollpunkt 11 Arbeitszeiten und Pausen: Müssen wir auch die Überstunden erfassen, auch wenn die nationale Gesetzgebung des Landes das nicht fordert?

Ja, das ist eine GRASP Anforderung, die erfüllt werden muss. Nationale Interpretationsrichtlinien können spezifische Lösungen beschreiben.

Kontrollpunkt 10 Zeiterfassungssystem & Kontrollpunkt 11 Arbeitszeiten und Pausen: Unsere Arbeitnehmer halten die Pausen ein. Ist es wichtig, wann und wie lang sie Pausen machen?
  • Ja: Arbeitnehmer haben das Recht, nach einer bestimmten Arbeitsdauer eine Pause zu machen. Gesetze und/oder Tarifvereinbarungen regeln dies. Die Länge der Arbeitszeiten und Pausen müssen den gesetzlichen Anforderungen entsprechen.
  • Nationale Interpretationsrichtlinien können Erklärungen zu speziellen Fällen geben.
  • Stellen Sie sicher, dass Ihre Arbeitnehmer wöchtenlich nicht mehr als 48 Stunden arbeiten, in Hochbetriebszeiten (z. B. Ernte) nicht mehr als 60 Stunden.
QMS Kontrollpunkt: Unser QMS wurde bereits während der GLOBALG.A.P. Kontrolle geprüft. Was wird hier geprüft?

Durch diesen Kontrollpunkt kann sichergestellt werden, dass die GRASP Anforderungen im Qualitätsmanagementsystem des GLOBALG.A.P. zertifizierten Betriebs implementiert sind. Im Allgemeinen wird GRASP wie bei der GLOBALG.A.P. Option 2 Zertifizierung geprüft. Für spezifische Regeln und Anforderungen, lesen Sie bitte in den GRASP Allgemeinen Regeln nach oder kontaktieren Sie das GLOBALG.A.P. Sekretariat.

Zusätzliche soziale Vergünstigungen: Ist es eine Pflichtanforderung zusätzlich soziale Vergünstigungen anzubieten?

Nein, Arbeitnehmern, ihren Familien und/oder der Gemeischaft Bonus oder andere Anreize zu bieten ist freiwillig. Die Angaben hier haben keinen Einfluss auf das Ergebnis der GRASP Evaluierung.

Zusätzliche soziale Vergünstigungen: Was sind denn diese sozialen Anreize?

Zahlreiche Betriebe bieten Vorteile, die in den Kontollpunkten davor nicht geprüft wurden. Wenn ein Betrieb solche Vorteile in Form von sozialen Vergünstigungen bietet, sollen diese Angebote anerkannt und im GRASP Report erfasst werden. Der Kontrollpunkt R1 führt einige Beispiele auf.