Kommentar von Kristian Moeller - GLOBALG.A.P. Geschäftsführer

In den vergangenen Jahren haben sich Handel und Erzeugerverbände vermehrt über Ansätze hin zu mehr Transparenz bezüglich der Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft verständigt.

NGO’s, Journalisten und Gewerkschaften decken jedoch jedes Jahr erneut Missstände auf. Diese Skandale sorgen schnell für hohe Aufmerksamkeit in den Medien und sozialen Netzwerken und können ganze Branchen erschüttern. Meist betrifft es Erntehelfer oder Saisonarbeitskräfte, die selten gewerkschaftlich organisiert sind und oft mit Sprachbarrieren kämpfen. Themen sind häufig die Nichteinhaltung von Mindeststandards zu Mindestlöhnen, Höchstarbeitszeiten oder Unterkünften.

Verbraucher erwarten, dass die Einhaltung von Mindeststandards für Arbeitskräfte in der Landwirtschaft abgesichert werden. Diese Erwartungen gelten nicht für die gesondert als „fair“ ausgezeichneten Produkte, sondern für das gesamt Sortiment.

Die Frage im Zeitalter der sozialen Medien ist schon lange nicht mehr: Wie viel Transparenz ist möglich, sondern wie viel Transparenz ist rechtlich vertretbar, verlässlich analysierbar und im Wettbewerb gewünscht?

Branchenlösungen bieten hier mehr Transparenz bezüglich der Einhaltung von Arbeitsgesetzen. Die Herausforderung dabei ist, Anforderungen zu definieren, die weltweit umsetzbar sind und aussagekräftig vor Ort geprüft werden können. Die Ergebnisse dieser Prüfungen eröffnen der Branche dann unterschiedliche Handlungsoptionen.

Einheitliche Branchenlösungen bieten die Möglichkeit, vorwettbewerblich an der Verbesserung der Situation zu arbeiten und somit aufgezeigte Problemfelder partnerschaftlich in der Kette zu verbessern. Durch eine breite Umsetzung von grundlegenden Sozialstandards können wettbewerbsverzerrende, unfaire Praktiken nach und nach systematisch vermieden werden.