Bei der Überarbeitung der Zertifizierungskriterien für den GLOBALG.A.P. ‚Standard Guter landwirtschaftlicher Praxis‘ haben die teilnehmenden Erzeuger, Handels- und Industrieunternehmen in den vergangenen fünf Jahren intensiv eine mögliche Gesundheitsgefährdung durch das Ausbringen von Naturdünger im Obst- und Gemüseanbau sowie auf Ackerland erörtert.

Entschieden wurde ein proaktives Hochschrauben der Anforderungen im Sinne der Sorgfaltspflicht. Denn obwohl bislang kaum einheitliche wissenschaftliche Forschung zu diesem Thema publiziert wurde, sind doch Fälle von Verunreinigung mit Krankheitserregern über Naturdünger tierischer Herkunft bekannt.

Zunächst sah die, Mitte des Jahres 2015 publizierte, aktuelle Version 5 des Standards vor, ab dem 1. Juli 2016 bereits bestehende Kriterien aus den Vorgängerversionen für das Ausbringen von unbehandeltem Naturdünger tierischer Herkunft auf Ackerland  verpflichtend zu verschärfen. Die neue Regel war mit einem grundsätzlichen Mindestabstand von drei Monaten vor der Ernte und sechs Monaten bei pflanzlichen Kulturen, die in direktem Kontakt mit dem Boden sind und roh verzehrt werden, mit einem sehr hohen Sicherungungspuffer angelegt.

Sie hätte allerdings auch zur Folge gehabt, dass viele Landwirte den Einsatz dieser natürlichen Düngerform, insbesondere in der Bio-Produktion, hätten einschränken oder sogar darauf verzichten müssen. Eine vertiefende Erörterung dieser Problematik hat inzwischen zu der Erkenntnis geführt, dass  mögliche Lösungen u. U. vielschichtig sind und daher neue Forschung und Versuche erforderlich sind, um eine höhere Flexibilität und eine anwendungsbezogene Risikodifferenzierung zu ermöglichen.

Nach intensiven Beratungen hat das Board von GLOBALG.A.P. daher beschlossen, die in Version 5.0 ursprünglich genannten Ausbringungsfristen für unbehandelten Naturdünger erneut zu modifizieren. Nunmehr gilt für alle Kontrollen in Version 5.0-1:

Grundsätzlich nicht weniger als 60 Tage!
Alle Lizenznehmer verpflichten sich, bei landwirtschaftlich erzeugten Lebensmitteln einen Mindestabstand von 60 Tagen zwischen Ausbringen von unbehandeltem Naturdünger aus tierischer Herkunft und Ernte einzuhalten .

Kein Kontakt von Blattgemüse mit unbehandeltem Dünger!
Punkt zwei der überarbeiteten Regularien besagt, dass unbehandelter Naturdünger auf keinen Fall ab der Pflanzung von Blattgemüse und während der gesamten Wachstumsperiode ausgebracht werden darf. Bei Baumkulturen darf diese Düngeform nicht mehr nach dem Öffnen der Knospen eingesetzt werden.

Risikoanalysen empfohlen!
GLOBALG.A.P. empfiehlt dringend, dass alle Erzeuger, über die beiden o. a. verpflichtenden Punkte hinaus, Risikoanalysen durchführen. Teil der gemeinsamen Arbeit wird es sein, Risiken differenzierter zu beurteilen, damit die Erzeuger kulturspezifisch einen adäquaten Schutz der Verbraucher gewährleisten können. Dies entspricht sowohl der politischen Forderung nach einem wirkungsvollen Verbraucherschutz, als auch den zunehmend anspruchsvolleren Erwartungen der Verbraucher an die Sicherheit landwirtschaftlich erzeugter Lebensmittel.

Mit der definierten ‚Sechzig plus-Regel‘ verfolgt der GLOBALG.A.P. Standard in seiner aktuellen 5. Version weiterhin das Ziel, das Risiko einer möglichen mikrobiologischen Gefährdung zu minimieren. Dabei gewährt er gleichzeitig den Erzeugern die notwendige Flexibilität, um innovative Verfahren individuell einsetzen zu können. Mit der neuen Regelung wächst die Flexibilität für die Erzeuger, aber gleichzeitig auch die Verantwortung, mögliche Risiken noch stärker in den Blick zu nehmen.

Weitere Informationen erhalten Erzeuger über ihre Zertifizierungsstellen sowie in Kürze auf der GLOBALG.A.P. Webseite.

Kontakt: GLOBALG.A.P. Sekretariat über info@globalgap.org.