Am 27. Februar 2021 wurde der Artikel „Das kaputte Zertifikat“ von taz.de veröffentlicht. In diesem Artikel wurden eine Reihe von Behauptungen aufgestellt, die sich auf GLOBALG.A.P. beziehen, aus unserer Sicht aber unzutreffend sind. Das betrifft insbesondere die im Folgenden wiedergegebenen Aussagen:

  • „[…] Global G.A.P. ein privates Unternehmen, das auf eine Initiative europäischer Supermarktketten aus dem Jahr 1997 zurückgeht.“
  • „Die Supermärkte kontrollieren sich quasi selbst.“
  • „Existenzsichernde Löhne und eine faire Beschaffungspolitik werden nicht gefordert, lokale Akteur*innen nicht hinreichend einbezogen […]“
  • „Wird über Vorwürfe gegen einen Produzenten in einem Zeitungsbericht über eine gewerkschaftliche Pressemitteilung berichtet, erreicht diese Information den Zertifizierer gar nicht.“
  • „Auch eine Frage wie: ‚Gab es in den letzten Jahren oder Monaten ein Strafverfahren?‘, sei möglicherweise nicht Teil der Überprüfungen von Global G.A.P.“
  • „‚Die CB [Zertifizierungsstelle] kann schwerwiegende Betrugsfälle oder Verstöße gegen gesetzliche Anforderungen sowie Verbrechen den zuständigen lokalen/nationalen Behörden melden.‘ Verpflichtet ist sie dazu nicht.“
  • „Eine Frage nach laufenden Strafverfahren gegen den Produzenten findet sich darin tatsächlich nicht. Ebenso fehlen direkte Fragen bezüglich der Unterbringung von Arbeitern oder der sanitären Ausstattung der Unterkünfte.“


Das GLOBALG.A.P. Sekretariat nimmt hiermit Stellung zu den oben genannten Aussagen:

GLOBALG.A.P. ist die am weitesten akzeptierte privatwirtschaftliche Lebensmittelsicherheitszertifizierung der Welt und setzt weltweit freiwillige Standards für die Zertifizierung von landwirtschaftlichen Produkten. Der GLOBALG.A.P. Standard für kontrollierte landwirtschaftliche Unternehmensführung (IFA) legt strenge Kriterien für eine gute Agrarpraxis für Produzenten fest. Diese Kriterien werden durch ein offenes Konsultationssystem ständig verbessert. Das GLOBALG.A.P. Sekretariat arbeitet derzeit an der 5. Revision des Standards, die in diesem Jahr veröffentlicht werden soll.

Die FoodPLUS GmbH, die juristische Person hinter dem Standard, wird von einem gewählten Lenkungsausschuss geleitet. Dieser setzt sich zu gleichen Teilen aus Vertretern von Einzelhandels-/Lebensmittelservice- und Hersteller-/Lieferantenorganisationen zusammen. Die Einzelhandels-, bzw. Lebensmittelserviceorganisationen bilden dabei 50 % des Lenkungsausschusses. Gleiches gilt für alle technischen Komitees. Eine gleichmäßige Vertretung aller interessierten Parteien ist damit gewährleistet.

Alle Audits werden von Zertifizierungsstellen durchgeführt, bei denen es sich um unabhängige juristische Personen handelt. Die Zertifizierungsentscheidungen werden ausschließlich von diesen Zertifizierungsstellen auf der Grundlage vordefinierter Kriterien (GLOBALG.A.P. Kontrollpunkte und Erfüllungskriterien) getroffen. Alle zugehörigen Dokumente finden Sie in unserem Dokumenten-Center.

GRASP ist ein freiwilliges Zusatzmodul und steht für GLOBALG.A.P. Risk Assessment on Social Practice. Es wurde entwickelt, um die Sozialpraktiken in einem landwirtschaftlichen Betrieb einzuschätzen. Es befasst sich mit spezifischen Aspekten der Arbeitssicherheit, des Gesundheitsschutzes und der sozialen Belange von Arbeitern. Mit dem Kontrollpunkt und Erfüllungskriterium 7 wird bewertet, ob der geltende Mindestlohn gezahlt wird.

Das GLOBALG.A.P. Sekretariat hat ein Überwachungsverfahren eingerichtet, das das Internet kontinuierlich scannt. Wird unserem Expertenteam ein Vorfall gemeldet, leitet dieses folgend eine Untersuchung ein. Diese soll sicherstellen, dass die allgemeinen Regeln, Kontrollpunkte und Erfüllungskriterien des GLOBALG.A.P. Standards eingehalten werden.

Das Integritätsprogramm von GLOBALG.A.P. (CIPRO) funktioniert als Feedback-Mechanismus zur Überprüfung von Zertifizierungsstellen.

Zusätzlich ermöglicht das GLOBALG.A.P. Sekretariat die Meldung von Beschwerden beim Beauftragten für das Beschwerdemanagement, der über complaints@globagap.org kontaktiert werden kann.

Das GLOBALG.A.P. Sekretariat betont, dass strafrechtliche Ermittlungen ausschließlich in die Zuständigkeit der Strafverfolgungsbehörden fallen und nicht von einem Zertifizierungssystem übernommen werden können. Solange keine rechtskräftige Verurteilung erfolgt ist, wird von der Unschuldsvermutung ausgegangen.